Vor einiger Zeit ereilte mich ein ungemeiner Retro-Jieper, was Computerspiele angeht.In einem Anfall von Nostalgie (und weil die Hardware für ganz neue Kracher auch langsam zu gemächlich ist) wurde die CD-Kiste durchwühlt und es kamen einige Schätze zum Vorschein. Meine Wahl fiel auf Theme Hospital, ein wunderbares kleines Aufbau/Managementspiel der legendären Spielentwickler von Bullfrog aus dem Jahre 1997.
Die grundlegende Aufgabe ist in jeder der ohne Hintergrundgeschichte aneinandergereihten Missionen gleich; der Spieler muss allerlei kranke Patienten versorgen, dazu verschiedene Diagnose- und Behandlungsräume bauen und Personal einstellen, bis eine bestimmte Behandlungsquote und Geldmenge erwirtschaftet wurde. Tiefe bekommt das Szenario dadurch, dass die Ärzte vom Spieler weitergebildet werden müssen, damit sie beispielsweise im OP oder als Psychiater eingesetzt werden können oder sie sonst einfach mangels Erfahrung bei der Diagnose nicht mehr weiter wissen.
| Allgemeinmediziner offenbart Wissenslücke |
Weiterbilden kann ein Arzt höchster Stufe, im Spiel Berater genannt. Der zeichnet sich nicht nur durch immenses Wissen auf seinen Fachgebieten aus, sondern auch durch immense Gehaltsforderungen. Zusammen mit dem Rest des Personals und den in Wissen und Gehaltsstufe aufsteigenden anderen Ärzten gewinnen monetäre Interessen schon bald den Vorzug vor der optimalen Patientenversorgung. Zusammen mit den in jedem Level stark finanziell geprägten Aufgabenstellungen ein trauriger Seitenhieb auf das schon damals kranke Gesundheitssystem.
Ein medizinisches Wunder!
Für Liebhaber alter Spiele sollte die Grafik grundsätzlich nur eine untergeordnete Rolle spielen, aber auch mit Blick auf die Optik wirkt Theme Hospital nicht so überholt, wie es inzwischen sein könnte. Zwar gibt es hohe Auflösungen nur über ein Zusatzprogramm (siehe weiter unten), doch die Animationen sind gut gemacht und das Krankenhaus wirkt mit all seinen Besuchern und Mitarbeitern, den Details in Räumen und unzählige medizinische Geräte durchaus glaubwürdig und lebendig.
| Auch für die menschlichen Bedürfnisse muss gesorgt sein |
Hürden neuer Technik
Ein 14 Jahre altes PC-Spiel zum Laufen zu kriegen, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Nicht jeder besitzt noch einen alten Pentium oder K6 aus damaliger Zeit und einen erneuten Einsatz würde man sich bei genauer Erinnerung an kreischende 40mm-Lüfter und laut ratternde 5,25" Festplatten auch zweimal überlegen.
Die Light-Variante, eine virtuelle Maschine, funktionierte nicht zufriedenstellend für mich. Glücklicherweise hatten fleißige Programmierer wohl ähnliche Probleme: mit CorsixTH steht eine auf aktuellen Systemen lauffähige Variante von Theme Hospital zum Download (Original-CD werden benötigt). Fehlermeldungen hier und da lassen sich meist durch Laden des Autosave rückgängig machen, sonst läuft das Spiel erfreulich stabil.
| Fanprojekt CorsixTH bringt Theme Hospital auf 64-Bit-Systeme |
Fazit
Für die ein oder andere Runde unkompliziertes Managen zwischendurch ist Theme Hospital auch heute immer noch bestens geeignet. Nach einigen Leveln sorgen die immer gleichen Missionsziele (Unmengen an Geld horten) zwar für Monotonie. Neue, witzig anzuschauende Krankheitsbilder und die Suche nach dem perfekten Krankenhausgrundriss sorgen aber für genug Langzeitmotivation.
Dem wuseligen Krankenhaustreiben zuschauen wirkt in geringen Dosen sogar stressmildernd. Aber Vorsicht, längere Anwendung ohne ärztliche Aufsicht kann zu sozialer Abgeschiedenheit und einem schmerzendem Mausarm führen!
Bildquelle: Screenshots CorsixTH
Bildquelle: Screenshots CorsixTH
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